Sonntag, 19. Juni 2011

Tag 25 - Mykene, Korinth, Epidauros - an einem Tag (und Fahrrad gefahren sind wir auch)

Mit den Eindrücken der Burg, des Löwentores und der netten Bewirtung im „Petite Planet“ machten wir uns auf den Weg nach Korinth. „Eigentlich könnten wir es ja einfacher haben“, meinten einige Radler nach dem Kartenstudium am Abend, denn nach Epidauros kann man auch direkt fahren. „Stimmt, aber dann sehen wir die Straße von Korinth nicht“. Also, auf nach Korinth. Zuerst einmal zehn Kilometer und 200 Höhenmeter „nach oben“. Thomas (Johann) und Alf betätigten sich als morgendliche Zugpferde, und so waren wir schon nach zwei Stunden an unserem Zwischenziel. Die Stadt „schenkten wir uns“. Jochen F. und Joachim unterstützten mich bei der Navigation, immer parallel zur Bahnlinie und zur Autobahn – leider durch die unschönen Industriegebiete der Stadt – und dann waren wir da. Eindrucksvoll, so über dem Kanal zu stehen und den Schiffen zuzusehen. Lange konnten wir nicht verweilen, ein paar Bilder eine kurze Trinkpause – und dann mussten wir schon weiter. Der Autoverkehr auf der Küstenstraße nahm zu, die Steigungen auch – schön, dass wir zumindest Rückenwind hatten – und dann die Frage: bleiben wir auf der Hauptstraße, oder biegen wir rechts nach Rito ab. Wir blieben auf der Hauptstraße, vom Höhenprofil her dürfte es kein Unterschied gewesen sein, und dann gab es hoch über dem Meer eine schöne Moussaka zur Stärkung. Gerhard und Karsten hatten mal wieder genau die richtige Wahl getroffen. Jetzt wurde es wieder heiß. Strahlend blauer Himmel, kaum eine Wolke und der Ruf nach Wasser und Sonnencreme wurde lauter. Jochen F. spendierte eine Runde „Fanta“, Dietrich kam beim Zurückschalten am Anstieg nicht aus seien „Klickpedalen“ (an alle die ihn kennen und sich um ihn sorgen: es ist nichts „schreibenswertes“ passiert). Jetzt wollten wir eigentlich noch eine Kaffeepause einlegen – nur was macht man, wenn kein Cafe kommt? Weiterfahren – Wasserreste aufteilen und hoffen, dass die Steigung bald zu Ende ist. Dann rechts Ligourio – 500 Meter weiter unser Hotel. „Kaffeezeit – Wartezeit – Ausruhzeit“, und danach ein Besuch im 2300 Jahre alten Theater, das noch heute 14.000 Zuschauer fasst. Damals war dieser Bereich nicht nur Vergnügungsstätte, hier fanden sich Tempel und Krankenhäuser. Beeindruckend – hier wurde der Gott der Heilkunde Asklepius verehrt. Wir wenden uns profaneren Dingen zu, testen die Akustik im Theater. Rudi gibt uns einen kleinen Eindruck seiner Sangesqualitäten und bekommt Beifall. Viel Zeit haben wir nicht, das Abendessen ist für 20 Uhr bestellt. Mal sehen, was es gibt.

Samstag, 18. Juni 2011

Tag 24 - 44° C am Nachmittag

Die Zeit im Mittelgebirge ist zu Ende. Jetzt gilt es nicht nur im Kampf um Höhenmeter und steile Abfahrten zu bestehen, sondern auch im dem gegen die Hitze. Der Samstag sollte dazu gleich ein gutes Beispiel bieten. Los ging es in Levidi auf über 800 Meter Seehöhe. Morgennebel lag über den Hochtälern, und auf den ersten zehn Kilometern ging es erst einmal gemütlich bergab. Dann aber mussten wir ran. 600 Höhenmeter waren zu überwinden. Dietrich bog erst einmal falsch ab, hatte uns aber schnell wieder – Kandila liegt nämlich nicht nur neben, sondern auch an der Hauptstraße. Unseren ersten Pass hatten wir schon um ½ 11 erreicht. Was für Ausblicke. Karsten und Gerhard – unsere Buscrew – waren zur gleichen Zeit da und versorgten uns mit frischem Wasser. Jochen und sein Steppenwolf stießen bei der Ankunft erst einmal einen Entlastungsschrei aus und Jochen fragte sich und uns, warum er sich dies (in seinem Alter) noch antue. Diese Frage blieb bisher unbeantwortet. Dafür konnten wir jetzt unsere Räder laufen lassen. 16 Kilometer ging es bergab – die Tachonadel sprang zeitweise über die „60“, aber wir wussten – es ging wieder nach oben. Zwei giftige Kehren vor Psari, frisches Wasser (und Fanta Lemon mit einem Haltbarkeitsdatum von 2009), und weiter ging es. Auch nach Nemea hinunter hätte es eine schöne Abfahrt werden können, aber irgendwie müssen wir in die Vorbereitungen zu einem Autorennen geraten sein. Auto um Auto kam uns entgegen, viele Fahrer schnitten die Kurven und wir mussten höllisch aufpassen. Nach 66 Kilometern freuten wir uns auf die Mittagspause. Gerhard und Karsten hatten Hühnchen mit gebratenen Kartoffeln geordert. Die erste Reaktion „schon wieder“ verflog, als wir die tolle Zitronensoße probiert hatte. Unser sehr bemühter Wirt gab uns noch zwei Flaschen Wasser mit auf den Weg – gerade richtig, denn das Thermometer zeigte jetzt 44° C. Sonnencreme und Wasser wurden und werden zu den wichtigsten Utensilien von uns. Nur noch 20 Kilometer bis Mykenai. Jochen F. vorneweg – dann flogen Alf und Stephan vorbei, Jochen (Steppenwolf) war das zu schnell, wir warteten. Jetzt ein neuer Sprint. Auf einmal war (sogar) Gabriele vorne. Was zog so magisch an? Das Hotel? Die Ausgrabungsstätten? Der Nachmittagskaffee? – Vielleich von allem etwas. Dann waren wir da. Kurz vor 3 Uhr. Toll. Karsten und Gerhard hatten schon Kaffee geordert. Binnen weniger Minuten stand alles auf dem Tisch. Wir waren schon in vielen Hotels zu Gast, aber im Petite Planet wurden wir mit einer unbeschreiblichen Herzlichkeit empfangen. Jetzt eine Runde im Hotelpool. Dazu bekamen wir ein Glas gekühlten Saft. Einfach nett – solche Gesten. Auch hier könnte man ein paar Tage Urlaub machen. Wir müssen aber am Sonntag weiter. Noch haben wir ein paar Stunden. Die nutzen wir für einen Bummel durch die historischen Stätten. Gigantisch –die Burg- und Palastanlage – das Löwentor …….. und der Blick auf unsere kommenden Kilometer.

Freitag, 17. Juni 2011

Tag 23 - Klaviermusik - Plattenkönig und Ausfallerscheinungen

So ganz bin ich mir nicht sicher, für wen beim Abendessen in Olympia die Bewunderung größer war. Für uns Radler – denn auf jedem unserer T-Shirts konnten die übrigen Gäste unsere bisher gefahrene Route sehen, oder für Jochen F., der als zweites Dessert in die Tasten des Pianos griff. Klar war aber, Jochen erhielt mehr (hörbaren) Beifall. Wenn die ersten Kilometer einer Tagesetappe täuschen können, dann war dies am Freitag der Fall. Wir konnten es vom Hotel aus erst einmal rollen lassen. Vorbei ein den Ausgrabungsstätten, dann die Frage: nach rechts den Fluss entlang oder nach links den Berg hoch? Thomas (Johann) plädierte für die rechte Variante und er hatte Recht. Ein paar Höhenmeter gespart. Die sollten aber noch kommen. Was kam, war zuerst einmal ein Totalausfall meines Tachos. Dann zeigte er zumindest noch die aktuelle Höhe an, gut – dass ich für die Geschwindigkeit auf das kleine GPS-Gerät zurückgreifen konnte. So sind die Daten der heutigen Tabelle Carmen und Rudi zu verdanken. Kurz danach der zweite technische Defekt. Platten – beim wem? Bei Dietrich. Nicht schon wieder. Er ist seit heute unser „Plattenkönig“. Schon drei Mal hat es ihn erwischt. Jetzt seine Idee: der Mantel von hinten kommt nach vorne – und der von vorne nach hinten. Ein Plattfuß am Vorderrad geht schneller zu beheben. Es gäbe noch eine andere Variante: ein neuer Mantel. Nun gut. Wir ließen uns davon nicht lange aufhalten und schafften uns nach Langadia hinauf. Der touristisch erschlossene Ort liegt malerisch auf 920 Meter Seehöhe. Es war Zeit für einen Mittagsimbiss. Toller Ausblick von der Terrasse – frisch gepresster Orangensaft und einen Bauernsalat sowie Spagetti – genau das Richtige für Radfahrer. Guter Service – doch 7 € für seinen Salat, da stimmt etwas mit der Kalkulationsgrundlage nicht. Auch mit dem Wetter schien etwas nicht zu stimmen. Wieder Wolkenberge am Himmel. Wir mussten weiter „nach oben“. Jetzt die ersten Tropfen. Muss das denn sein? Jetzt Regen. Wo unterstellen? Rechts eine Garageneinfahrt. Zehn Minuten warten. Jetzt war die Gruppe wieder zusammen. Die Radler(innen), die unserem Besen Stephan Gesellschaft leisteten, wurden nicht nass. Also: wer zuletzt ankommt, der bleibt trocken. Aber eigentlich hatten wir es ja geschafft. Noch einmal 150 Meter nach oben. Der höchste Punkt bei 1151 Metern, und dann konnten wir es erst einmal rollen lassen. Tolle Ausblicke, die Sonne kam wieder und wir genehmigten uns 17 Kilometer vor Levidi noch einen Kaffee (an einer Tankstelle). Jetzt eine warme Dusche – toll im Kallistohotel. Unsere Buscrew war natürlich schon da. Karsten, Caro und Gerhard hatten bereits das Gepäck der „Abwerfer“ und „Genussradler“ in der Hotelhalle aufgereiht. Alf war auch schon da (nicht natürlich). Irgendwo beim letzten Anstieg muss er wohl den Kontakt (nach hinten) verloren haben. Vielleicht brauchen wir auch mal einen „Besen“ am Anfang der Gruppe.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Tag 22 - Abschied in der Tiefgarage - Regen vor Olympia

Klaus „Maria“ konnte fahren – mit dem Fahrrad. Zwar fand sich Gerhards Schlüssel trotz intensiver Suche nicht, auch wusste man in Patras mit dem Begriff einer „Knollepetz“ nichts anzufangen, doch ein ganz normaler Trennschleifer tat es auch – und schon hatte das Fahrradschloss seine Sicherungsfunktion aufgegeben. Vierzehn Radler(innen) waren wir noch auf dem Weg nach Olympia. Zuvor hieß es Abschied nehmen von Helga, Marga, Karl und Nico. Sie machten sich am Nachmittag mit der Fähre zurück auf den Weg nach Ancona. Natürlich gab ich ihnen einen kleinen Tipp, wo es 2013 hingehen soll – traditionell wird dies aber immer erst am letzten Radlerabend bekannt gegeben – und bis dahin sind es ja noch fünf Tage. Mit Stadtplan und Navi sollte es eigentlich kein Problem sein, Patras zu verlassen - wenn man aber einen freundlichen Mofafahrer trifft, der einem die Schleichwege zeigt, dann geht das noch schneller. Am Himmel strahlten sieben Sonnen. Gleich der erste Anstieg, hinauf auf 254 Meter – aus der Hafensenke heraus. Und genau da das bekannte Geräusch: das Handy klingelte. Das Büro – in der Bertha-von-Suttner-Schule hatte es gebrannt und die Schulleitung braucht dringend einen Termin. Aber auch das klappt. Handy weg – weiter bergauf. Und wieder bimmelt es. Ulrike ist dran – ein paar aktuelle Infos aus unserer Heimatgemeinde – viele Grüße der neuen Bürgermeisterin und weiter geht es. Wasserflaschen nachfüllen. Noch immer strahlt ein blauer Himmel über der Peloponnes. Mittagsrast in Panopoulos, schon auf Höhe 600. Das kleine Restaurant bietet uns zwar Platz an, aber einen Mittagstisch können sie nicht servieren. „Ob wir im Supermarkt einkaufen dürfen – und bei ihnen essen?“ – „Aber natürlich!“ Und so kaufen wir ein: Brot, Tomaten, Gurken, Ölsardinen, Wurst, Käse, Joghurt, Bananen, Birnen – holen unsere Taschenmesser heraus und stärken uns. Besonders nett: man hat uns sogar noch Tischdecken ausgelegt. Mit einem freundlichen Gruß und einem Trinkgeld verabschieden wir uns – und jetzt ist der Himmel auf einmal nicht mehr freundlich. Die ersten Regenspritzer liefern sich mit den Schweißperlen auf unserer Haut einen Wettkampf, den später der Regen aber eindeutig gewinnen sollte. Thomas (Johann) hat seinen ersten Platten, wir kommen zum höchsten Punkt des Tages (780 Meter) und es beginnt zu schütten. Wir stellen uns unter – Gewitter – eine halbe Stunde – es wird nicht merklich besser. Wir legen (schwere) Regenkleidung an und fahren weiter: noch 25 Kilometer – fast nur bergab. Wir sind nass bis auf die Haut – „Wie in Finnland“ ruft mit Stephan beim überholen zu. Jochen F. kennt den Wetterbericht von Freitag – und dann soll es wirklich trocken bleiben. Wir kommen nach Olympia. Die Straße existiert nicht mehr, einfach eingebrochen. Ein kleiner Fußweg gibt uns mit den Rädern die Möglichkeit, vorbeizukommen. Wir sind da. Joachim wartet auf die zweite Hälfte unserer Gruppe und dann ein fragender Blick nach unserem Hotel. „Europa“, einfach den Berg hoch. Also noch einmal hundert Höhenmeter. Auch das schaffen wir noch. „Dietrich ist platt“ – nein, natürlich nicht unser grüner Freund, der heute nur mit leichtestem Gepäck fährt, sondern sein Hinterrad. Die letzten Meter muss er schieben. Im Hotel ein freundlicher Empfang. Sofort bekomme ich ein Handtuch. Karsten und Gerhard sind natürlich schon da. Gerhard macht sich als „Wäscheeinsammler“ nützlich. Schön, dass wir auch hier unsere Shirts gewaschen bekommen – auf unserer Fahrt sind sie immer ein Hingucker, vor drei Wochen noch ungläubig – „das wollt ihr wirklich fahren?“ heute immer noch ungläubig „das seid ihr alles schon gefahren?“. So reagiert auch ein junges Pärchen aus Nürnberg, das uns kurz vor dem Hotel freundlich grüßt, und ebenso ein Ehepaar aus Mannheim, das in unserem Hotel zu Gast ist.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Tag 21 - Peloponnes, Telefonate und der Swimmingpool in Patras

Gestern hatte uns Theo noch in seinen Swimmingpool eingeladen (was wir leider ablehnen mussten), heute konnten wir uns auf der Dachterrasse im „Astir“ in Patras in das kühle Nass stürzen. Bevor es aber soweit war, mussten wir noch etwas arbeiten. Joachim hatte den gestrigen Abend mit einem (oder mehreren?) Ouzo bereichert und wir fühlten uns in dem kleinen griechischen Hafenort sichtlich wohl. Ein Eis und ein Blick über den Hafen – (fast) wie Urlaub. Die ersten 20 Kilometer an unserem 21sten Tag (mittlerweile sind wir bei 2.350 Kilometern) liefen einfach vor sich hin – unterbrochen nur durch drei mehr oder weniger anregende Telefongespräche aus der Heimat. Dann ging unsere Europastraße in eine fertig ausgebaute Autobahn über. 40 Kilometer glatter, bester Straßenbelag (natürlich gefördert von der EU – wie die vielen Hinweisschilder unmissverständlich belegten), und wir hatten uns schon kleine Alternativsträßchen herausgesucht. Die Frage an einen Polizisten, der gerade an dieser Wegbiegung seinen Dienst tat – wie wir am besten in Richtung Patras kommen, beantwortete dieser mit einem unmissverständlichen Handzeichen in Richtung Autobahn. Meine Antwort (auch per Handzeichen – zeigte auf unsere Räder). Mein „Gesprächspartner“ winkte ab und zeigte erneut in Richtung der grünen Hinweisschilder. Wir ließen uns nicht zwei Mal bitten – und jetzt rollte es. Nebenbei sparten wir so etwa 15 Kilometer. Leider war der Spaß nach zwei Stunden vorbei. Jetzt wurde der Straßenbelag sofort wieder rau, und viele kleine Schlaglöcher machten es schwierig, das Tempo hochzuhalten. Da kam die Mittagspause gerade recht. Souflaki mit Pommes – jeder so viel er wollte (also zwischen einem und drei Spießen – klar, wer „3“ hatte), und weiter ging es Richtung Straße von Korinth. Jetzt kamen Steigungen, die wir so nicht mehr auf dem Plan hatten (und Gegenwind). Und wieder Anrufe – diesmal aus Patras. Keinen Platz für den Bus, keinen Platz für den Anhänger – 1,5 Kilometer vom Hotel entfernt und nicht sicher – Abendessen für 24 oder 20 Personen – Abendessen um welche Zeit. Jedes Mal das Problem: auf die Schlaglöcher achten, den Gesprächspartner trotz Wind und der Geräusche der uns überholenden Autos zu verstehen, auf den Verkehr zu achten – und noch die richtigen Antworten zu geben. Und wieder das Handy. Jochen F. war angekommen. In drei Stunden sei er im Hotel (was er dann auch war) - und wir mussten noch über die Brücke bei Patras. Auf der Autospur durften wir nicht. Auf der rechten Fußgängerspur war eine Sperre, und die griechischen Arbeiter fanden den Schlüssel für das Schloss nicht. Also half man uns, die Räder zwei Mal über die Leitplanke zu heben. Dafür durften wir sie dann auf der anderen Seite heruntertragen. Jetzt noch zehn Kilometer. „Joachim ist platt“ – nicht er, sondern sein Vorderrad. Wie gut, dass gleich nebenan ein Cafe war. Wenn drei arbeiten, dann können zwölf Pause machen. Ehrensache, dass wir den drei Reparateuren den Nachmittagskaffee mitbestellten. Dann waren wir im Hotel. Der ehemalige Bürgermeister unserer Kreisstadt, Helmut Kinkel, hatte uns den Tipp gegeben – und in der Tat, wir wurden nicht enttäuscht. Wie immer die gleichen Rituale, heute nur etwas intensiver. Karl, Marga, Nico und Helga steigen aus (schade!) - also umpacken und neu organisieren. Karl wollte sofort einen leeren Kofferraum (also: alles raus), Karsten gerne unseren Bus in der Tiefgarage parken und unseren Anhänger sicher vor dem Hotel abstellen. Natürlich war beides möglich. Zu den 112,6 Radkilometern kamen noch einmal die 1,5 Kilometer Fußweg in den Hafen. Wir holten unser Gespann – Karsten lenkte es sicher durch den griechischen Verkehr, und dann rangierten wir den Anhänger direkt vor die Hoteleinfahrt. Ich erklärte dem Portier noch die große Europakarte und dann wurde umgepackt. Karstens, Jochens und Caros Räder mussten einsatzbereit gemacht werden. Nico arbeitete in der Hotelgarage weiter. Hörnchen an Carmens Lenker, einen neunen Ständer bei Rudi – „und vergesst die große Luftpumpe und den Schlüssel für die Pedalen nicht“. Irgendwann hatte es auch Nico geschafft und wollte noch eine Runde im Hotelpool drehen. Aber um 18.30 Uhr war dort Schluss – und Ausnahmen gab es keine (schade!). Nun gut, jetzt müssen wir uns neu „rütteln“. Vier gehen am Donnerstag auf die Rückreise Richtung Ancona, drei sind neu eingestiegen. Und gleich am ersten Tag geht es nach Olympia. Gerhard hat angekündigt, diese Etappe im Bus zurück zu legen. Ob ihn dabei Klaus "Maria" begleiten muss, ist noch nicht klar, denn Gerhard hat sein Rad mit dem von Klaus abgeschlossen - nur den Schlüssel hat bisher noch keiner gefunden.

Dienstag, 14. Juni 2011

Tag 20 - Theo und der Swimmingpool - Begegnungen an einem Fahrradtag

Immer wenn es Alternativen gibt, kommt Unruhe auf. Wenn diese Alternativen sogar im Roadbook erscheinen, dann nehmen die Diskussionen spätestens beim Frühstück Fahrt auf. Dabei war es doch klar. Nach drei albanischen Bergetappen konnte es diesmal nur die flache Variante sein. Joachim regte noch einen „Schlenker“ durch die Altstadt von Ioannina an, und dann konnte es losgehen. Immer Richtung Süden. Wir wurden schneller und schneller. Ab Kilometer „10“ fuhren wir drei Stunden im Pulk, immer zwischen 23 und 27 Kilometer, und so kam es, dass wir bereits um kurz nach 12 Uhr in Arta waren. 78 Kilometer standen da schon auf dem Tacho. Dietrich wollte zwar vorher noch kurz anhalten, um eine Banane zu essen, Alf zeigte ihm, wie dies auch bei voller Fahrt geht -und dann brachen wir doch auseinander. Im hinteren Feld nahm man sich private Entsorgungspausen, die die Führungscrew zwangen, die Geschwindigkeit drastisch abzusenken. Unser Mittagsimbiss mitten in Arta klappte dank der tollen Sprachkenntnisse der Gastronomenfamilie hervorragend. Unsere erste Moussaka – wenn auch nur halbe Portionen wegen der Nachmittagsetappe – und dann ging es weiter. Wie kommt man aus der Stadt wieder auf die Umgehungsstraße? Man fragt. Am besten an einer roten Ampel. Bis nach Menidi waren es 22 Kilometer. Ich fragte eine junge Griechin, die mit ihrem Kleinwagen neben mir hielt. Das Fenster wurde heruntergekurbelt, ein freundlicher Blick, der Hinweis, dass es nach rechts und dann geradeaus ging waren eins und die Zeitangabe „20 Minuten“ gab es noch dazu. „With the bike?“ „No – with my car!“ Es wurde grün, und 50 Minuten später waren auch wir in Menidi. Jetzt noch ein Nachmittagskaffee. Den Kuchen hatte ich seit Arta in der Satteltasche. Im Hinterland zogen wieder dunkle Gewitterwolken auf. Tempo machen und ins Hotel oder anhalten? Unausgesprochen wurde gehalten. „Kommt hierher“ – wir kamen. Wer da rief, war Theofanis Papanicolaou, der gerade sein Kaiser-Pilsener trank. „Theo“, wie er sich uns später vorstellte, war nach eigenen Angaben Farmer – seine Visitenkarte wies ihn als Shipagent und Broker-Surveyor aus. Wie dem auch sei. Wir sollten zu seiner Farm kommen. Wir könnten uns am Swimmingpool erholen. Aber dagegen sprachen nicht nur unser Etappenziel in Amfilochia, sondern auch die Regenwolken, die immer näher kamen. Jochen B. entfesselte noch eine Debatte über die Sammlung von Kronenkorken (bei Bierflaschen) – ich bin mir nicht sicher, was Theo davon verstand – aber er stimmt ihm in allen Punkten zu. Im „Oscar“ kamen wir trocken an – also: jede Aufregung über die Kaffeepause und ihre Länge unnötig. Dafür hatte es unsere Wäsche nötig. Und siehe da: Ja, wir waschen – danke – und auch für die Räder wurde ein sicherer Platz gefunden: in der Hotellobby mussten die Möbel weichen, damit wir unsere Räder über Nacht gut – und trocken – untergebracht wussten. Und dann regnete es doch noch. Aber das konnte uns egal sein. Wir warteten einfach im Hotel den Schauer ab, um noch einen kleinen Streifzug durch das Hafenstädtchen zu unternehmen.

Montag, 13. Juni 2011

Tag 19 - Endlich Griechenland - oder: Doppeldusch am Nachmittag

…… und sie saßen noch eine ganze Zeit mit uns am Tisch. Äpfel mit Zimt zum Dessert oder ein Stück Kuchen, noch ein Glas des roten Albaners, jetzt noch ein Lied, die Stimmung war der Situation angemessen. Gabriele mahnte zum Aufbruch. Da war sie noch alleine. Also der erste Transfer (nur für sie) zum Ausweichhotel. Die anderen „4“ machten sich eine Stunde später auf den Weg – am kommenden Vormittag waren sie wieder da – pünktlich zum Frühstück. Es gab – wie immer – verschiede Sorten hausgemachter Marmelade, Eier, Ziegenkäse, Milch – und auf unsere herzliche Bitte auch Kaffee. Dann ging es bei strahlendem Sonnenschein los. Zuerst noch für fünf Kilometer nach oben, dann auf gleicher Höhe – welch ein Panorama am Pfingstmontag – und dann 14 Kilometer nach unten. Jedes Radfahrerherz würde höher schlagen. Unseres auch, aber in ganz anderer Hinsicht, denn wir sorgten uns um unser Material. Schlagloch an Schlagloch, teils Schotter, teils –„nichts“, und doch war es ein Erlebnis. Kein Platten, kein Speichenbruch. Jetzt der letzte albanische Kaffee und dann ab zur Grenze nach Griechenland. Die Straßen wurden besser, das Hupen, das in Albanien zwar immer freundlich gemeint war (aber doch manchmal störte), nahm schlagartig ab, und wir machten uns auf den Weg nach Ioannina. Noch einmal 400 Meter nach oben und das in gleißender Sonne, das Thermometer zeigte wieder weit über 30° C, doch wir kamen alle an. Zwischendrin ein Anruf von Caro und Karsten: Sie hatten gerade die Grenze zwischen der Schweiz und Italien passiert, und wir ließen uns das erste Gyros schmecken. Jetzt nur noch 30 Kilometer, jetzt nur noch 15 – die ersten Tropfen, es regnete, rechts eine Tankstelle ... in letzter Sekunde (trocken) angekommen. 15 Kaffee – halt - wo ist Karl? Weg – den hatten wir beim letzten „Stopp“ doch wirklich sitzen lassen. Was soll`s, bis der letzte Kaffee aus der Maschine kam, war auch Karl da. Jetzt ab ins Hotel. Aber fünf Kilometer vorher kam dann doch der Regen. Muss das denn sein –die Dusche haben wir doch gleich – und dann noch warm! Im Hotel „Olympic“ können wir unsere Räder im Konferenzraum unterstellen. Wäscheservice gibt es leider keinen. Bei der Besprechung unseres Dinners im Restaurant und dem Tischwein merke ich, wir sind wieder in €-Land.