Mittwoch, 17. Juni 2009

Tag 29 - Der Tag danach

Klaus "Maria" hat sich gemeldet. Er ist gut in Eschenbach angekommen. Marga ebenfalls. Sie und Karl-Georg sind wieder in Mainz und wollen ihr Gepäck abholen. Das Gepäck, das Rad von Willi, die Poloshirts neben dem Schreibtisch - vieles erinnert noch an unsere großartige Fahrt. Heute Vormittag haben Gerhard und ich den Anhänger zurückgebracht. Unser "Arena" wurde dem Gutachter "vorgeführt" - um den Schaden zu schätzen. Vieles erinnert aber auch an die weniger schönen Stunden. Die kommenden Tage werden zeigen, wie wir auch diese Probleme lösen werden. Schon heute freuen wir uns auf den "Nachbereitungsabend" mit vielen Bildern und skandinavischen Spezialitäten. Und wir freuen uns auf 2011 - auf Griechenland und die Ägäis. Sie - die sie unser Tagebuch verfolgt haben - können sich auch freuen, auf die Bilderserie die in den kommenden Tagen auf unserer Webseite erscheinen werden. Vielleicht machen die ja Lust 2011 dabei zu sein.
Oder sie lassen sich einfach mal bei unseren wöchentlichen Touren sehen.

Zum Schluss bleibt mir nur "Danke" zu sagen, an alle meine Mitradler(innen) für die tollen 28 Tage, eure Unterstützung und Hilfe und auch dafür, dass ihr (manchmal) meine Launen ertragen musstet.

Dienstag, 16. Juni 2009

Tag 28 - Ab nach Hause

Jetzt gehen wir endgültig auseinander. Karl-Georg und Marga bleiben in Kiel und besuchen ihre Tochter. Klaus-Jürgen nimmt den ICE und Klaus „Maria“ macht sich ebenfalls mit der Bahn ab Kiel auf den Weg zurück in die Oberpfalz. Unsere Flieger dürften zu Hause den Wasserschock von Frankfurt verdaut haben und Jochen sowie Erika werden via Flugzeug heute Abend in Frankfurt erwartet. Da waren wir nur noch „6“ – aber beauftragt mit der wichtigen Mission, alle unsere Räder nach Bischofsheim zu bringen. Und dieser Aufgabe stellten wir uns. Neumünster, Hamburg, Hannover – flogen nur so an uns vorbei. Mit einem „74er“-Schnitt steuerten wir unsere Mittagsrast in Seesen an – und dann kam Hessen. Mit dem „fliegen“ war es vorbei. Die Kasseler Berge hatten wir einkalkuliert. Die Wolkenbrüche und den Stau bei Melsungen nicht. Uns so wurde es doch später als geplant. Um 20.20 Uhr waren wir in Bischofsheim. Sehr zur Freude aller unserer Mitradler. Viele hatten sich zum auspacken getroffen. Und so ging es rasend schnell. Die Kartons vom Hänger, die Räder raus, Pedalen dran, Lenker gerade und fertig. Binnen einer halben Stunde waren 20 Fahrräder wieder einsatzfähig. Sie freuen sich auf den Montag, unsere erste Ausrolltour. Wir freuten uns bei einem Glas Sekt, dass die Tour (größtenteils) reibungslos gefahren werden konnte. Jetzt aber lockte nach 28 Tagen und Nächten erst einmal wieder das eigene Bett.

Montag, 15. Juni 2009

Tag 27 - Lieber Rad fahren statt fliegen

Die Tage der Euroradler beginnen früh. Der Montag begann sehr früh. Um 1.34 Uhr klingelte mein Handy. Am anderen Ende der Leitung war Bernd. Eigentlich sollten er, Nico und Gabriele schon lange zu Hause sein. Ihr Flugzeug von Bergen über Oslo sollte gegen 21.00 Uhr in Frankfurt landen. Dass dies nicht eintraf, dazwischen lagen nur knapp fünfzig (Höhen)meter und eine ganze Menge Aufregung, Angst und Hoffnung. Die Unwetter im Rhein-Main-Gebiet verhinderten die Landung. Schon über der Rollbahn zog der Pilot die Maschine wieder hoch. An eine Landung war nicht zu denken. Woran die drei Euroradler dachten, ist nicht bis nach Norwegen übermittelt, aber der Stressfaktor muss in diesen Minuten (wenn auch unterschiedlich) erheblich angestiegen sein. Dafür klappte dann aber die Landung in Stuttgart – und eine freundliche Stewardess bemühte sich (zumindest um einen unserer Radler) ganz besonders. Was aber jetzt tun? Mit der nächsten Maschine nach Frankfurt? Für diese Variante entschied sich nur Gabriele (und da sage noch einer, dass Frauen nicht mutig sind). Unsere zwei Radler zogen die sichere Bahnvariante vor. Am Stuttgarter Hauptbahnhof noch schnell ein wenig (flüssigen) Reiseproviant (auch zur Beruhigung) besorgen und ab in den Zug nach Mainz. Was wären die Euroradler ohne ihre Frauen. Auch die kann nichts erschüttern. Nicht einmal ein nächtlicher Anruf um als „Privattaxi“ vom Hauptbahnhof Mainz nach Gustavsburg und Bischofsheim auszuhelfen. In Norwegen setzten die Radler ihre Rückreise fort, erreichten um die Mittagszeit Oslo, nahmen Karl-Georg, Marga und Klaus-Jürgen an Bord des „Arena“ um gemeinsam an Bord der „Color-Line“ zu fahren. Richtig – für ein paar Minuten waren wir zu zehnt in unserem treuen Minibus – und kamen Dank Gerhard natürlich ebenso sicher auf das Parkdeck des großen Schiffes. Um 14 Uhr ging es pünktlich los in Richtung Kiel. Auch jetzt lacht(e) wieder die Abendsonne über der Nordsee. Sicher waren sich die Radler beim abschließenden Abendbuffet, dass ein Tag an Bord eines so großen „Pottes“ sicher etwas beeindruckendes hat, nur mit ursprünglichem Schiffsreisen, wie auf der MS „Lofoten“ überhaupt nichts mehr. Na ja, viel wichtiger ist ja auch die Frage, ob es uns am Dienstag gelingt die Sonne mit in den Kreis Groß -Gerau zu bringen?

Sonntag, 14. Juni 2009

Tag 26 - Von der Nordsee zur Ägäis

Seit Stunden lacht die Sonne durch das Bullauge der MS „Lofoten“. Das letzte Frühstück an Bord lockt und kurz nach 7 Uhr sind Marga, Karl-Georg und Dietrich bereits im Speisesaal. Nach und nach kommen die anderen Euroradler hinzu. So etwas wie Abschiedsstimmung macht sich breit. Heute Nachmittag gehen wir auseinander. Nico, Gabriele und Bernd fliegen via Oslo nach Frankfurt. Jochen und Erika bleiben noch zwei Tage in der alten Hansestadt. Karl-Georg, Marga und Klaus-Jürgen fahren mit dem Nachtzug nach Oslo und der „Rest“ macht sich mit unserem „Arena“ auf den Weg durch Südnorwegen. Morgen gegen Mittag treffen wir Karl-Georg, Marga und Klaus-Jürgen wieder und dan geht es gemeinsam auf die letzte Seereise der Tour (von Oslo nach Kiel). Langsam beginnen die Gedanken an die kommende Woche. „Wann werdet ihr am Dienstag zu Hause sein?“ will Nico wissen um beim Ausladen der Fahrräder helfen zu können. „Haben wir eigentlich in der kommenden Woche eine Ausrolltour?“ – Nein – erst wieder Montag (21. Juni). Dann werden die Geschichten der 28 Tage in Skandinavien mit jedem Kilometer wieder lebendig. Lebendig wird dann auch die Vorfreude auf die Tour 2011 – dann wollen die Euroradler weitere Länder erkunden, die ihr Fahrrad noch nicht gesehen hat: Slowenien, Kroatien, Serbien, Montenegro, Mazedonien und Griechenland – bis „hinunter“ zur Ägäis. Aber noch ist es nicht soweit.
Die Hurtigruten hielten Wort, legten pünktlich um 14.30 Uhr in Bergen an. Und dann gingen wir auseinander. Aber auch das haben wir geschafft. Die „restlichen“ Euroradler – mit allen Fahrrädern – sind um 21.30 Uhr in Gol angekommen. 300 Kilometer durch Südnorwegen – Gletscherlandschaft und Naturschönheiten ohne Ende – da muss man einfach wiederkommen. Und am Dienstag geht es weiter nach Oslo.

Samstag, 13. Juni 2009

Tag 25 - Trondheim (im Regen) - Nordsee (in der Sonne)

Es regnet. Der erste Tag an Bord der MS „Lofoten“ der uns Euroradler nicht nur mit Wasser (von unten) empfängt. Trotzdem müssen/wollen wir früh „raus“; bis auf Jochen (Karl Friedrich). Der schenkt sich den Ausflug. Unser Schiff liegt in Trondheim und für 7.55 Uhr ist eine Stadtrundfahrt geplant. Wir besichtigen den Nidarosdom, ein Weltkulturerbe und bekommen einen Einblick in die mittelalterliche Geschichte Norwegens. Wir Radler sind schon froh, dass wir heute nicht auf unsere Fahrräder müssen, als wir hören, dass in der kommenden Woche die Fernradfahrt von Trondheim nach Oslo stattfindet. Zurück auf unserem Schiff geht es weiter südwärts. Der Himmel lockert auf – Zeit zum lesen und für Gespräche. Die ersten Eindrücke der Seereise werden verarbeitet. Die MS „Lofoten“ hat ihren ganz eigenen Charme. Das älteste Schiff im Dienst der Hurtigrute – mit Bullaugen statt Panoramafenster und einer Kabinengröße von (gefühlten) 5 qm (einschließlich „Nasszelle“) war für einige von uns gewöhnungsbedürftig. Na ja, an ein Straflager hat nicht nur der Euroradler (am Nachbartisch) gedacht, aber jetzt – am letzten Tag – wird und klar, dass es solche Schiffe nicht mehr lange geben wird. Damit geht ein Stück (Seefahrt)kultur wohl für immer verloren. Karl-Georg zieht sich zurück und skizziert unseren Dank ins Gästeboot der „Lofoten“. Noch ein kurzer Landgang am Nachmittag – die Sonne hat längst die Oberhand gewonnen – und dann geht es weiter Richtung Bergen. Unsere Fahrräder sind schon dort – hoffentlich.

Freitag, 12. Juni 2009

Tag 24 - Zurück aus Neptuns Dunkelheit


Nein – richtig dunkel war es in den Tagen nördlich des Polarkreises wirklich
nicht. Die Euroradler mussten die Nacht nicht wirklich zum Tag machen – Tag war es immer. Jetzt sind sie aber zurück aus den Gefilden des Polarkreises. Am Freitag – pünktlich um 9.30 Uhr war es soweit. Die MS „Lofoten“ überquerte den Polarkreis in Richtung Süden – und ohne eine kräftige Taufe kamen auch die Euroradler nicht über die Grenze. Das herrliche Wetter, strahlender Sonnenschein und sommerliche Temperaturen, machten die Taufe mit Eiswasser aber zu einem herrlichen Spaß. Was auffiel: kein Euroradler hatte südlich des Polarkreises das gleiche T-Shirt an wir nördlich.
Nach diesem feucht-fröhlichen Start in den Tag wartete ein weiteres Naturschauspiel vor der mittelnorwegischen Küste auf uns. Ungezählte Inseln und Felsformationen, unterbrochen von zwei „Landgängen“ und dem traditionellen Mittagslunch. Vor dem Dinner gab es dann noch einen „Extragang“ – keinen Gruß aus der Küche, sondern einen musikalischen Gruß von Jochen – der hatte im Salon der „Lofoten“ ein E-Piano ausgemacht und zauberte, trotz der unter uns tuckernden Dieselmotoren, einen seiner bekannten musikalischen Genüsse – garantiert ohne zusätzliche Kalorien – die sollten erst später folgen und rundeten einen weiteren gelungenen Tag auf unserer "Heimreise" ab, die am Samstag einen weiteren Höhepunkt erleben wird.
Radfahren ist einfach Meer - mehr.

Donnerstag, 11. Juni 2009

Tag 23 - Sommer nördlich des Polarkreises

Mit jeder Seemeile, die die Euroradler der Mainspitze näher kommen wird es wärmer. Die Sonne, die ihnen seit dem Nordkap lacht, begleitet sie auch auf der Hurtigrute nach Süden. Wieder einmal begann der Tag sehr früh. Einige von uns besuchten um Mitternacht in Tromsö ein Kirchenkonzert mit norwegischen Melodien. Ein Pubbesuch schloss sich an und so kam mancher Radler (etwas verspätet) und dazu noch ungeduscht zum Frühstück. Schnell war die Müdigkeit aber verflogen, denn ein weiterer Tag mit landschaftlichen Höhepunkten sollte folgen. Auf der Route ging es südwärts in Richtung der Lofoten – der Inselgruppe, die unserem Schiff seinen Namen gegeben hat. Absoluter Höhepunkt: die Einfahrt in den Trollfjord – links und rechts die steilen Felsen, im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel, ein Schauspiel ohne gleichen. Umrahmt wurde auch dieser Tag von drei „Landgängen“, einem köstlichen Mittagsmenue und vielen unvergesslichen Eindrücken. Mit jedem neuen Hafen registrieren wir: die Vegetation macht die Landschaft menschlicher, trotz Schnee und Eis auf den Bergen wird es Sommer. Die Jacke weicht dem Pullover, der Pullover dem T-Shirt – und dabei sind wir noch immer nördlich des Polarkreises. Morgen - kurz vor 10 Uhr überqueren wir ihn nach Süden – und freuen uns auf einen weitern Tag vor der norwegischen Küste.