Donnerstag, 31. Mai 2007

Tag 16: Endlich am Meer - 2.000 Kilometer im Sattel


In der Nacht hatte es noch einmal geregnet. Es war richtig kühl, als wir uns – nach einem guten Frühstück – auf den Weg nach Südwesten machten. Noch hatten wir unsere Radwesten über den Trikots und an manchen Beinen bildete sich eine Gänsehaut – ob von der morgendlichen Kühle oder den letzten Tunneldurchfahrten – blieb letztlich unbeantwortet. Mit jedem Kilometer wurde es aber wärmer und die Spannung stieg. Dann, kurz vor Praia a Mare, ein Schrei: „Da ist es“ und wenig später: „Jetzt bieg doch mal rechts ab – wir wollen ans Meer“. Nach 1.991 Kilometern und sechzehn Tagen im Sattel hatten wir es geschafft: Italien präsentierte sich von der Bilderbuchseite, wie wir ihn uns aus Hochglanzprospekten seit den fünfziger Jahren vorstellen: Sonne, Strand, azurblaues Meer und ebenso blauer Himmel mit ein paar Schönwetterwolken. Jetzt machten wir uns aus den kommenden einhundert Kilometern bis Amantea einen richtigen Spaß. Auf der Hauptstraße richtig Gas geben (geht das denn mit dem Fahrrad?), immer so zwischen 22 und 26 Kilometer (manchmal auch schneller) und dazwischen ein paar Abstecher in den Küstenorte, erst um die Tunnels der Hauptstraße zu umfahren, später auch mal „einfach nur so“ um wieder um hundert Höhenmeter mitzunehmen. Dazwischen Mittagsrast in Guardia mit Spagetti die so scharf waren, dass Bernd und Stephan überhaupt nicht fassen konnten und Walter das erste Bad im Mittelmeer nahm. Unsere Kaffeepause ließen wir einfach ausfallen und radelten so schnell in unser Hotel, dass Gerhard, der an diesem Tag keinen Beifahrer hatte, es überhaupt nicht fassen konnte. „Was wollt ihr denn schon hier?“ – meinte er von seinem „Italien Baedeker“ aufblickend und freute sich mit uns auf einen gemeinsamen Nachmittagskaffee im Hotel. Aber auch das war nicht so einfach. Die Kaffeestückchen mussten erst organisiert werden. Stephan griff sein Fahrrad, einmal durch die Hotelhalle getragen, zum Hintereingang hinaus und ab in die nächste Patisanierie. Nach zehn Minuten war er mit einem ganzen Tablett Kuchenteilchen wieder da. Horst, der sich selbst gerne als unseren „Hlfsplattenflicker“ bezeichnet, nutzte die Zeit um einen Blick auf das Rad von Harald zu werfen. Alles in Ordnung. Ach ja – täglichen die Höchstgeschwindigkeitsangaben beziehen sich auf das Fahrrad des „Posters“. Selbstverständlich hallten alleTeilnehmer der Sizilienfahrt ihre familiär vorgegebenen Höchstgeschwindigkeiten penibel genau ein.

Mittwoch, 30. Mai 2007

Tag 15: Zielort war nicht das Ziel



Gerhard hatte heute keinen neuen Rekord zu vermelden. Nur drei Mitfahrer waren an Bord, als wir uns um 8.40 Uhr auf den Weg nachten. „Besenmann“ war einmal mehr Joachim, der diese Aufgabe übernahm, da heute kein Radler freiwillig „am Ende“ fahren wollte. Also ging es munter bergan. Wir kamen schnell auf 400 Meter Seehöhe und freuten uns noch einmal an den herrlichen Landschaften Süditaliens. Immer wieder bergan, bergab, zwischendurch eine Banane und so machte uns das Valio di Diano Richtig Spaß. Den hatten wir auch beim Mittagessen, als eine Pizza n nach der anderen verspeist wurde. Die Temperaturen erinnerten mehr an den Kraichgau und so musste mehrmals für kurze Zeit Regenkleidung angelegt werden. Wir hätten es schaffen können, vor 18 Uhr am Ziel zu sein. Da unser Hotel aber nicht im Zielort lag, sondern an der Hauptstraße unterhalb es Ortes, „kletterten“ wir erst einmal 300 Meter nach „oben“ um herauszufinden: hier gibt es kein „La Quiete“. Bernd kam auf die Idee bei Gerhard anzurufen und dann war klar. Aus der Bergfahrt wurde sofort wieder eine Talfahrt. Macht nichts. Kilometer und Höhenmeter zählen – und morgen sehen wir endlich das Meer. Zehn Tage durch Italien fahren, ganz ohne Meerblick, dass soll uns erst einmal jemand nachmachen. Das gilt auch für das Abendessen. Nach einem Vorspeisenteller und Ravioli und Reis mit Waldpilzen ist man eigentlich schon satt. Aber es kommt ja noch der Hauptgang und das Dessert ....

Dienstag, 29. Mai 2007

Tag 14: Regen - Sturm - Nachtfahrt bei den Euroradlern


Der Mond leuchtete uns den Weg. Als es östlich von Neapel immer dunkler wurde und wir wussten, dass wir uns auf ein Mitternachtsmenue freuen durften, war der düstere Schein unserer Fahrradlampen – und natürlich der helle Mond – unsere einzigen Lichtquellen in tiefer italienischer Dunkelheit. Dabei hatte der Tag ganz gut begonnen. Die Radler kamen auf der Schnellstraße nach Benevento gut voran und bereits nach gut einer Stunde berieten wir am Stadtrand den richtigen Weg. Leider entschieden wir uns für die falsche Variante, verloren so Zeit, gewannen dafür eine Cafepause und machten uns um die Mittagszeit zum höchsten Punkt des Tages bei Frigento auf. Jetzt kam der Wind, nein – es wurde Sturm. Das Fahrrad stand schräg auf der Geraden – bei Abfahrten mussten wir gegen den Wind antreten und so kamen wir einfach nicht voran. Dann – ab Lioni – sollte es eigentlich besser gehen, doch die Straße Richtung Bagni Contursi nahm jeden Bergmeter mit und so schwanden unsere Kräfte und es wurde immer später. In dem Badeort hatten wir die Freude mitten in einen Autokorso für die Bürgermeisterwahlen zu gelangen. Über hundert hupende PKWs mit Fahnen bestückt fuhren mehrmals an uns vorbei – und dann war es Nacht. Wir hatten einen neuen Höhenmeterrekord aufgestellt. Ach ja, Gerhard unser Busfahrer konnte auch Rekord melden: vier Mitfahrer hatte er an Bord, die sich die „Sturmfahrt“ entgehen ließen.



Montag, 28. Mai 2007

Tag 13: Am Nachmittag als der Regen kam

Sora entließ uns mit einem richtig guten Frühstück. Wir entschlossen uns die Schnellstraße zu nehmen und los ging es. Zwei kurze Tunells und unsere Entscheidung stand fest, die Schnellstraße wird verlassen. Zuvor hatte ein Autofahrer seinen rechten Außenspiegel an meiner Lenkerstange opfern müssen. Dafür konnten wir jetzt herrliche Ausblicke genießen. Immer weiter schraubten wir uns in den südlichen Abruzzen nach oben und kamen wieder an die „1000 Meter Marke“. Die kleinen Bergdörfer klebten wie Vogelnester an den Bergwänden, die hier bis weiter über 2.000 Meter in den Himmel ragen. Wir nahmen den weg „nach unten“ und Jochen eine Plattenpause, die wir zum Mittagessen nutzten. Pizza satt – und dann kam der Regen. Man konnte kaum die Hand vor Augen sehen, Zentimeter hoch stand das Wasser, die Lastwagen spritzten das Wasser mehr als einen Meter hoch, doch wir radelten weiter – und siehe: nach einer guten Stunde war der Wolkenbruch vorbei. Sogar die Sonne ließ sich wieder sehen. Wir legten in Alife einen Kaffeestopp ein und wurden freudig begrüßt: unser Wirt lebte 11 Jahre in Darmstadt. Mit einem süßen Gruß schickte er uns auf den Weg nach Telese, wo uns Gerhard bereits erwartete.










Sonntag, 27. Mai 2007

Tag 12: Schweisstreibende Stunden in den Abruzzen


Tschüs Peter – und gute Fahrt nach Hause. Für uns ging es am frühen Morgen weiter. Durch Rieti und gleich an der Stadtgrenze steil nach oben. Von 400 Meter, auf dieser Höhe lag unser Übernachtungsort ging es „hoch“ auf über 1.000 Meter. Steigungen bis zu 14 Prozent, im Mittel so um die „10“ und dazu noch die extrem hohe Luftfeuchte. Die Trikots klebten schweißnass am Körper und auch der Trikotwechsel brachte nichts. Dann endlich die erste Abfahrt – aber ebenso seil. Die Ausblicke entschädigten zwar, aber nach Karte ging es gleich wieder nach „oben“. Und so kam es auch. Wieder zwischen 8 und 10 Prozent, wieder über 1.000 Meter und kein Wasser mehr in den Trinkflaschen. Dank der freundlichen Hilfe in einem Bergdorf in den Abruzzen konnten wir unsere Flaschen wieder füllen – und weiter ging es. Die zentrale Frage der Radfahrer „wann und wo gibt es Mittag?“ konnte mangels Angebot nicht beantwortet werden. Dann kurz vor ½ 4 Uhr eine Pizzeria. Schnell versteht man uns. Viele, viele Pizzateilchen werden auf einer Platte gebracht, dazu viel Wasser und nach einer halben Stunde kann es weiter gehen. Noch haben wir 80 Kilometer zu fahren. Aber jetzt geht es besser. Entlang der Bahnlinie geht es in den kommenden Stunden bergab. Wir machen schnell Kilometer, gönnen uns kurz nach 18 Uhr noch einen Kaffee und rollen weiter Richtung Sora, wo wir unser Hotel, nach einer kurzen Rundfahrt durch die lebendige Innenstadt schnell finden.

Samstag, 26. Mai 2007

Tag 11: Gerhard, Uwe und Bernd sind da – die Taschen sind weg


Das Frühstück vermittelte noch einmal einen Hauch von Urlaub. Im Garten unserer Pension in Castiglione, bei einer Tasse Kaffee und einem „süßen Stückchen“ genossen wir die Ruhe, hoch über dem See. Dann ging es los. Zwanzig Kilometer entlang der Uferstraße ließen schnell die Hoffnung auf eine frühe Ankunft aufkommen. Die ersten Steigungen entlockten uns nur ein Lächeln, noch mal Bananen einkaufen, aber dann ging es los. Steigungen bis zu 17 Prozent und dann das „Chaos rund um Todi“. Karl hatte gemeint die Autobahn nehmen zu müssen und wurde von zwei freundlichen Polizisten zurück geleitet. Die „Abkürzung“ Richtung Terni war keine, sondern ein staubiger Feldweg. Joachim riss zwei Mal die Kette und uns lief die Zeit davon. Dafür entschädigten der Ausblick und die traumhaften Bilder und immer wieder die freundlichen Menschen am Straßenrad. In Terni dann ein besonders freundliches „hupen“. Unser Bus war da. Gerhard, Uwe und Bernd brachten nicht nur frische Wäsche sondern mit Bernd und Uwe auch zwei neune Fahrer, die ab Sonntag mit radeln werden. Dafür steigt Peter aus, schade. Mal sehen, was der Bus noch so bringt. Die Chance „Gepäck abzuwerfen“ haben am ersten Nachmittag für die letzten 40 Kilometer gleich zwei „Euroradler“ genutzt (natürlich werden die Namen nicht genannt). Wir erlebten dafür aber – nach Staub in Umbrien und Feierabendverkehr in Terni eine schöne Fahrt bis Rieti, wenig Verkehr entlang der Bahnstrecke und - nachdem wir den Talkessel überwunden hatten – keine Steigungen mehr. Jetzt auf der Terrasse unseres Hotels haben wir uns die letzten beiden Stunden des Tages wirklich verdient.


Freitag, 25. Mai 2007

Tag 10: Abschied von Willi und der Toscana


Franca, unsere Wirtin im Ristorante „La Tavernetta“, lebte viele Jahre in Franken und so kam es, dass wir uns beim Abendessen in Pontassieve schnell darauf verständigten uns von ihr auch das Frühstück machen zu lassen. Gestärkt mit Schinken und Käse ging es los und nach einer knappen halben Stunde waren unsere frisch gewaschenen Trikots (Dank an „Leonardos Rooms“) schon wieder nass. Die Hügel der Toscana haben es in sich. Und so zog sich der Vormittag auch dahin, ohne dass wir richtig Kilometer machen konnten. Bananen hier, eine Birne dort, Wasser nachfassen, „Entsorgungsstopp“, Beine mit Sonnenmilch eincremen, Trinkflasche verloren, falsch abgebogen – unser „Besenmann“ Jürgen war schier am verzweifeln, doch es sollte besser werden. Nach einem kleinen Stadtbummel in Arezzo rollte es richtig gut. Die Hügel der Toscana waren der Hochebene Umbriens gewichen und auch einer unserer Radler, Willi musste nach Hause. „Ausgewechselt kurz vor der Halbzeit“ verabschiedete er sich in Arezzo um mit der Bahn zurück nach Deutschland zu fahren. Wir hatten noch 45 Kilometer vor uns und erreichten gegen 18 Uhr Castiglione del lago. Ein richtig schönes „B & B“ hoch in der historischen Innenstadt. Und vor dem Abendessen in einem typischen Gewölbe klingelt das Handy. Bernd ist dran. Mit Gerhard und Uwe sitzt er gerade „bei einem Bierchen“ in Reggio Emilia. Mit dem Bus und dem 4,10 Meter langen Anhänger sind sie gut durchgekommen. Wenn alles gut geht, dann treffen wir uns in 24 Stunden in Rieti.