Samstag, 4. Juni 2011

Tag 10 - Von Kroatien nach Bosnien

Es ist nicht viel größer als Niedersachsen – und trotzdem wird uns an vier Tagen keinesfalls langweilig werden. Schon der erste Tag im dritten Land des ehemaligen Jugoslawien hatte es in sich. Morgens im Nebel – noch in Kroatien –bis zur Grenze. Die Formalitäten sind in weniger als fünf Minuten erledigt „alle aus der EU?“ – „Ja!“ und schon lag die Grenzstation hinter uns. Mit uns zur gleichen Zeit dabei: eine Gruppe Motorradfahrer, die fast genau die gleichen Aufkleber von gefahrenen Pässen auf ihren Maschinen hatten wie wir. Der Stolz mit dem wir uns austauschten war – auf unserer Seite – greifbar. Auf dem Weg nach Biahc – rechts die erste Moschee – natürlich sollten auf den noch gut hundert Kilometern noch weitere folgen. In Biahc radelt ein Bosnier ein paar Meter mit. Er war während des Krieges in Ulm uns spricht hervorragend unsere Sprache. Auch er ist überrascht, dass wir mit dem Fahrrad Urlaub in seinem Heimatland machen. Er wünscht uns eine gute Reise, nimmt uns noch ein wenig die Angst vor dem nächsten Anstieg und verabschiedet sich. In Ripac wollen wir noch ein paar Müsliriegel und Obst einkaufen, schließlich geht es jetzt 650 Meter nach oben. Nach der Bahnlinie kommt der Ort – sollte er kommen – war aber schon vorbei und wir fast schon im Anstieg. Also kein Riegel – aber es ging auch so. Harald war einmal mehr als Erster „oben“ Stephan coachte Nico, Jochen und mich, zwischendrin rief Rolf aus Bischofsheim an und wollte etwas zum Sportplatz wissen und so war auch dieser Anstieg für uns kein Problem. Zwischenzeitlich waren wir mitten in der bosnischen Natur. Grüne Hänge soweit das Auge reichte, blauer Himmel (nach den Wolken- und Nebeltagen) und den Hinweis von einer freundlichen Frau an einer Tankstelle in Brusovac, dass es erst in Petrovac/Boisanski eine Möglichkeit gäbe etwas zu essen. Ja, wenn jetzt die Dosenwurst schon da wäre. So geht es in schneller Fahrt zur Mittagsrast. Auf meine Frage was es denn im Angebot gäbe, lautete die Antwort: „Suppe oder Fleisch“ – mit Blick auf die nächsten Hügel und die warme Witterung entscheide ich: „13 mal Pilzsuppe mit Brot – und Apfelschorle“. Karl will seine schon abbestellen – und wirft einen Blick in die Speisekarte. Er entscheidet sich für „Spagetti“ – die gibt es aber nicht – nur „Suppe oder Fleisch“ – gut, dass ich nicht auf jeden Wunsch sofort eingehe. Weiter geht es. Der Himmel verdunkelt sich. In der Ferne sehen wir Blitze. Wir stellen uns unter, bekommen einen kräftigen Kaffee – und fahren weiter. Jetzt trifft es uns. Wir werden zum ersten Mal nass. Was soll es. Es geht hinunter nach Kljuc. Wir kaufen ein wenig Verpflegung für den kommenden Tag – die Riegel müssten jetzt ausreichen, genehmigen uns ein Eis und sind in wenigen Minuten in unserer Pension. Abendessen – jetzt gibt es die bosnische Platte mit Kalbs- und Hühnerfleisch, Leber, Spießen, Reis und Pommes und Salat. Dazu eine Suppe und ein Dessert. Das Abendessen ist eine Wucht, der Wein schmeckt hervorragend, wenn nur am Sonntag nicht ein Tausender warten würde.

Freitag, 3. Juni 2011

Tag 9 - Euro(pa)radler und Europastraßen - passt das?

„Fahrt nach der Grenze gleich nach links“ – wir nehmen den Rat unseres freundlichen Wirtes in Metlika gerne an und radeln nach der kroatischen Grenze noch eine ganze Zeit mit Blickkontakt nach Slowenien. Dort scheint am frühen Vormittag (noch) die Sonne, während sich über Nordkroatien dunkle Wolkenberge zusammenbrauen. Sie drohen uns aber nur – auch am achten Tag unserer Tour können die Regensachen in den Taschen bleiben. Wenn es Josef nicht aufgefallen wäre, hätten wir fast unseren tausendsten Kilometer „überfahren“. Früher war das immer Grund genug für ein Gruppenbild – heute ist es ganz einfach zur Normalität geworden. Wir kommen nach Karlovac, der Großstadt an der Korna. Die Unterschiede im Stadtbild – im Vergleich zu Slowenien – sind schon augenfällig. Wir radeln weiter. Aus der Stadt führt nur die Autobahn, aber da diese nur für Fußgänger gesperrt ist, benutzen wir auf den kommenden sechs Kilometern einfach den rechten Fahrstreifen. Um nach Süden zu kommen haben wir keine andere Möglichkeit, als die Europastraße 59 zu fahren. Laster für Laster donnert an uns vorbei. Der Abstand zwischen Lenkerhörnchen (und damit auch dem Ellenbogen) und Führerhaus bemisst sich meistens nur im Zentimeterbereich, gefühlt manchmal im einstelligen Bereich. An einer Tankstelle die erste Rast, einfach mal weg vom Verkehr. Trotzdem läuft es rund – und das obwohl es fast kein Flachstück gibt. Straßenwelle nach Straßenwelle – das kostet Kraft. Vierzig Meter nach oben, zwanzig Meter nach unten, langsam erreichen wir wieder Mittelgebirgsniveau. Die Mittagsrast bei Kilometer „70“ deckt (einmal wieder) den Fleischbedarf für mehrere Tage. Ich muss nicht erwähnen, wer als erstes auf den Parkplatz eingebogen ist („Ich will Fleisch …..“). Salat und Apfelschorle runden die Pause ab. Am Nachbartisch sitzt eine österreichische Familie. Mittelpunkt des kurzen Gespräches: das heutige Länderspiel. Und dann geht es weiter. In Slunj beindruckt uns das Stadtbild. Das kleine Städtchen ist sehenswert in die Landschaft eingebettet. Wir schrauben uns wieder hundert Meter nach oben und freuen uns auf einen Kaffee. Ob wir einen Palatschinken dazu möchten? Warum denn nicht. Eine gute Entscheidung. UnsereTrikots sorgen bei einer Gästegruppe sofort für Gesprächsstoff. Ein Blick in die Gesichter einiger Mitfahrer nötigt ihnen noch größeren Respekt ab. „Da sind ja einige auch nicht mehr die Jüngsten“ – stimmt, wer mit Mitte 70 noch auf dem Balkan Fahrrad fährt und abends unbedingt wissen will, wohin die Euroradler 2013 fahren, muss schon ein Überzeugungsradler sein. Trotzdem sind wir am Nachmittag froh, im Haus Hodak in Grabovac zu sein. Euroradler und Europastraßen sind nämlich nicht mehr als eine Zweckgemeinschaft – man liebt sich nicht, aber man respektiert sich, schließlich gibt es manchmal keine Alternative. Alf, der heute einen unaufgeregten Besen (letzter Mann mit gelber Warnweste) fuhr, könnte davon bestimmt noch mehr berichten. Berichten kann ich dann auch über unseren zweiten Zuliefertransport. Nach "Karsten/Caro - Ljubljana" heißt es jetzt "Steffi - Mostar". Nicht nur, dass sie neues Kartenmaterial und viele Ersatzteile für unsere Räder bringt, zwischenzeitlich wurden auch zwei Dosen hausmacher Wurst - aber bitte mit Dosenöffner - geordert. Um Gerüchten gleich vorzubeugen - Fleisch und Wurst gibt es bisher genug. Aber auch über die Bischemer Wurst und die Gründe: morgen mehr.


Donnerstag, 2. Juni 2011

Tag 8 - Viele Rad- und dynamische Autofahrer


Eigentlich benötigen Radfahrer keinen Wecker. Wenn es draußen hell wird, dann beginnt ein typischer „Wachwerdreflex“. An Tagen wie in Ljubljana kommen dann noch ganz bestimmte Faktoren dazu. Das ist das Frühstücksbuffet, das bereits ab 6 Uhr angeboten wird, da ist die auf 7 Uhr festgelegte „Verpackzeit“ für die Fahrräder und da ist natürlich auch der Abschied von den Radlern, mit denen wir in der vergangenen Woche fast 900 Kilometer gemeinsam zurückgelegt haben. Sie machen sich um 8.30 Uhr auf den Weg nach Bischofsheim. Willi und Heiko nehmen die Bahn – es gibt einen durchgehenden Zug bis nach Darmstadt – Bernd, Jochen, Hans, Gerhard, Jürgen und Axel machen sich mit Karsten und Caro auf den Weg zurück in die Mainspitze. Zum ersten Mal ist „unser“ Anhänger richtig im Einsatz. Unser Gespann macht schon was her. Wir rollen nach dem obligatorischen Bild vor dem Hotel und herzlichen Abschiedsszenen an – wollen uns auf den Weg durch die Altstadt machen – da erschallt das Signal (das Radler überhaupt nicht gerne hören): von hinten ruft es „stoooooopp“ – mit einem noch länger gezogenen „o“. Anhalten, Fahrrad abstellen, Nachfragen – „Regenkleidung vergessen“! Ein Blick auf das Fahrrad zeigt es: nicht als das Lenkertäschchen ziert das schwarze „Stevens“. Na klar: Marga und Helga sind ja jetzt mit ihrem privatem Auto dabei und schon gibt es „Abwerfer(innen)“. Um ehrlich zu sein: es hält sich in Grenzen: der Platz im Kofferraum ist einfach zu klein. Wie dem auch sei: die Regenkleidung ist zwischenzeitlich da und wir können losfahren (Anmerkung: natürlich hat es den ganzen Tag nicht geregnet). Keine fünf Minuten später: Wir müssen links ab, die Hauptstraße nach Süden. Doch dort steht: „Verboten für Fahrräder“. Ein netter Polizist fragt seinen netten Vorgesetzten, der macht eine zustimmend lässige Handbewegung und wir fahren endlich los. Es läuft jetzt endlich gut an diesem Vormittag, bis bei Karl ein Riss in der Felge diagnostiziert wird, Dietrich einen Platten am Hinterrad hat und bei Rudi etwas mit den Zügen nicht in Ordnung ist. Ich frage mich, was wir eigentlich die sieben Tage vorher gemacht haben – als Nico (der in seinen Taschen so etwas wie eine fahrende Werkstatt dabei hat) noch nicht dabei war. Jetzt stellt sich aber heraus, dass auch Josef genügend Material auf der Tour mit dabei hat um helfen zu können. Wir fahren aber auch Fahrrad an diesem Tag – und das durch das schöne Tal der Krka. Es erinnert ein wenig an die Weser und als wir zum Mittagessen in einer Pizzeria in Straza anhalten, fühlen wir uns fast wie zu Hause – die junge Wirtin erklärt uns in bestem deutsch, dass sie viele Jahre in Biebrich gewohnt hat und Mainz und Wiesbaden bestens kennt. Klar, die Pizza hat geschmeckt, das alkoholfeie slowenische Bier braucht noch ein paar Tage Gewöhnung – aber jetzt geht es weiter: Nove Mesto – und dann noch einmal 450 Meter nach oben. Auch das schaffen wir leicht und genehmigen uns darauf eine gute Tasse Kaffee. Auch hier findet man unsere Europaradaktion toll und wünscht uns viel Glück. Das braucht man in Slowenien manchmal auch. Es gibt viele Fahrradfahrer und in den Städten viele Radwege – es gibt aber auch viele Autos und (aus Sicht eines Radfahrers) viele rasant fahrende Autofahrer – was aber auch für Busse gilt, die bei „rot“ nicht immer vorhaben anzuhalten – außer: sie werden von einem Radfahrer dazu gezwungen. Wir kommen „früh“ in Metlika an. Unser letzter Abend in Slowenien. In vier Kilometern beginnt Kroatien. Aber dazu am Freitag mehr.
Heute genießen wir das Abendessen. Schinken, Melone, Oliven - dazu ein Slivovka, Salat (wir haben noch immet keine Angst !), Nudeln mit einer tollen Hackfleischsauce - jetzt noch das Dessert - aber: Karsten ruft an - sie sind seit 19 Uhr zu Hause, die Rückfahrt lief ohne Probleme. Danke für die tolle Begleitung - und auf Wiedersehen in Patras. Jetzt schmeckt das Dessert noch besser - und dazu ein Glas Wein aus der Region. Übrigens: Wein aus Slowenien - mehr als nur ein Geheimtip.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Tag 7 - Wechseltage bringen Bewegung - Abschiedsschmerz und Ankunftsfreude

Eigentlich müßte man hier Urlaub machen. Beim Frühstück fehlt es uns an nichts. Alles ist da, auch der Blick auf den See. Aber es hilft nichts – wir müssen weiter. Wie selbstverständlich hat man uns wieder die Trikots gewaschen – und dann geht es los. Leider ohne Thomas. Er muss für zwei bis drei Tage in Klagenfurt bleiben und will uns in den ersten Junitagen wieder einholen. Während wir langsam am Wörthersee entlanggleiten, sind Helga, Nico und Marga sowie Karsten und Caro schon auf der Autobahn Richtung Ljubljana. An solchen Tagen drehen sich die Gedanken nicht nur um die Radroute, auch die Autobahnkilometer sind nicht ganz zu verdrängen. Wir überqueren die Drau an der Staustufe bei Ferlach und dann geht es wieder steil nach oben. Der Loibl hat es in sich. Vieles geht nur mit eisernem Willen. Aber wir alle kommen oben an. Stephan macht wieder einmal den Besen. Es scheint, als ob diese Aufgabe dichterisch inspiriert. (Aber davon bei Gelegenheit mehr). Wir durchqueren den Tunnel und sind in Slowenien – unser drittes Land auf der Tour. Eine schnelle Mittagssuppe und dann schnell weiter, den die Gewitterwolken brauen sich über uns zusammen. In Kranj fahren wir in die Altstadt. Im Cafe „Central“ gibt es hervorragenden Kuchen. Dazu Kaffee – der ist zwar „nur“ ein Espresso, dafür aber doppelt gut – auch wenn auf dem Tisch kein „Kaffeeweißmacher“ steht. Man verabschiedet uns freundlich, zeigt uns Nebenstrecken bis zur Hauptstadt und dann haben wir es geschafft. Wir finden das Cityhotel ohne Probleme. Karl ist schon seit drei Tagen hier. Marga, Nico und Helga vor einer Stunde angekommen und auch Karsten und Caro sind um 18.30 Uhr da. Unser größtes Problem ist der Stellplatz für den Anhänger, mit dem die Räder der acht Aussteiger zurückgebracht werden sollen. Aber auch das schaffen wir. Jetzt lassen wir uns die Pilzsuppe schmecken, genießen einen slowenischen Rizling und stärken und mit Steaks, Kartoffeln und Gemüse. Morgen früh werden die Fahrräder verpackt, Willi wird Heiko zum Bahnhof begleiten und Karsten mit "seinem Bus" um 9 Uhr in Richtung Bischofsheim starten. Wir machen uns dann auf den Weg nach Süden - bis Patras, dann treffen wir Karsten und Caro wieder.

Dienstag, 31. Mai 2011

Tag 6 - Vom Schnee bis in den Wörthersee

Herrlich - diese Ruhe rund um die Mehrlhütte. Keiner Autos, keine Flugzeuge, keine Eisenbahn – nur das ein oder andere Schlafgeräusch drang in dieser Nacht aus den Zimmern, doch nach 2.200 Höhenmetern schlief wohl jeder gut. Am Abend war es spät geworden. Ein Radlerpaar aus Österreich war mit dem Mountainbike unterwegs, und dort wo wir aufhören, fängt bei ihnen die Tour erst richtig an. Wir tauschen uns aus, ein Blick in unsere Kompasswanderkarte hilft bei der Planung derTour für die kommenden Tage und auch wir müssen uns auf die weitere Tour konzentrieren. Beim Frühstück sind wir so schnell, dass wir das Müsli mit den kleinen Kaffeelöffeln zu uns nehmen. Ein Gruppenbild auf der Treppe des Hauses, und schon geht es los. Fünf Kilometer zum Einfahren, dann wird es ernst: die Nockalmstraße steht an. So früh am Morgen sind noch keine Autos unterwegs, auch keine Motorräder. Die Natur, die Straße, die Luft – alles gehört uns. Wir genießen jeden Augenblick. Natürlich fließt der Schweiß in Strömen, trotz der empfindlichen Kälte an diesem Morgen – aber gegen 10.30 Uhr haben wir den ersten Gipfel (2.042 Meter) erklommen. Ein Kaffee, eine Buttermilch – die kurze Rast gibt Kraft und einen traumhaften Ausblick. Der erste Touristenbus ist auch (schon) da. Aus Nürnberg. Wir sorgen mal wieder für Staunen – und machen uns auf den Weg in das Tal. 500 Meter geht es abwärts. Die Tachonadel pendelt sich jenseits der „60“ ein und eigentlich könnten wir uns freuen, aber wir wissen: jeden diesen Höhenmeter müssen wir gleich wieder hinauf. Der zweite Nockalmpass liegt ebenfalls jenseits der 2000er Grenze. Also wieder 90 Minuten nach oben. Pünktlich um die Mittagszeit sind wir in der Glockenhütte. Wir stärken uns – jeder wie er mag. Jetzt geht es wieder nach unten. Die Tachonadel geht über die „70“ – solche Abfahrten entschädigen ein wenig für die Leiden des Anstiegs. Unser Tagesbesen Heiko kommt vor Willi an der Ebene Reichenau an. Er wollte einfach seine Bremsen schonen. Jochen hatte schnell eine Hand voll Erinnerungsaufkleber an diese Alpenstraße besorgt – und dabei dachte ich an meine erste Fahrt – vor zwölf Jahren - zurück. Damals mit dem Gespann (das Fahrrad war mit einem Mitläufer verbunden) war der Anstieg deutlich anstrengender und die Abfahrt noch mehr von Sicherheitsinteressen geprägt. Die galt es aber auch jetzt nicht zu vergessen. Mit jedem Kilometer Richtung Klagenfurt nahm der Verkehr zu – ebenso die Temperaturen, und bei der Ankunft im Strandhotel Habisch machte man uns ein Bad im Wörthersee so richtig schmackhaft. Wir ließen uns nicht zwei Mal bitten und – nichts wie hinein in das erfrischende Nass. Toll: gestern noch Schnee, heute südlicher Flair und traumhaftes Wetter, warum fahren wir nach 789 Kilometern eigentlich noch weiter?

Montag, 30. Mai 2011

Tag 5 - 2.220 Höhenmeter und zwei Alpenpässe

Wenn man manche Tagesetappen schon vorher genau kennen würde, dann würde man sie nicht fahren – vielen von den Euroradlern dürfte genau dieser Gedanke heute Abend durch den Kopf gehen. Dabei waren die Rahmenbedingungen hervorragend: tolles Wetter und den ganzen Tag strahlender Sonnenschein, ein Frühstück in Golling, das Kraft für den Pass Lueg gab, eine Mittagssuppe in der Post in Untertauern, die alles in sich hatte, was Radler so benötigen und eine Kaffeepause in Mauterndorf, die wieder einmal eine leere Kuchentheke hinterließ. Aber der Reihe nach: in Golling verabschiedete man uns sehr herzlich, der Pass Lueg ist ja nicht wirklich einer – aber schon die Strecke bis Radstadt hat es in sich. Immer wieder kleine Steigungen und dann hinauf nach Untertauern. Da mag in so manchem Kopf der Gedanke Platz gegriffen haben, jetzt in den Bus umzusteigen, doch der war um 13.06 Uhr „weg“. Dafür bekamen wir einen Eintopf, der alle zufrieden stellte. Für Hans war diesmal genügend Gemüse drin, für Dietrich zwei Sorten Fleisch – und am Nährwert lag es ganz bestimmt nicht, dass sich die Truppe immer länger auseinander zog. Trotzdem, wir kamen in Obertauern an – da lag sogar noch Schnee – und dann ging es in rasender Abfahrt hinunter zur Murg. Aber so richtig freuen wollte sich keiner von uns auf der Abfahrt, denn wir wussten, dass es noch einmal steil hinauf gehen würde. Bis zur Mehrlhütte waren es noch einmal 700 Höhenmeter. Aber wir kamen an. 2.220 Höhenmeter standen am Abend auf dem Tacho. Natürlich zog sich die Ankunft über mehr als eine Stunde hin, aber das war eigentlich nicht schlecht, denn damit konnte der Stau an der einzigen Dusche etwas eingedämmt werden. Eigentlich sind wir richtig stolz auf uns, genießen das mit Käse überbackene Schnitzel und sind uns einig – trotz der beiden Pässe am Dienstag: bei einem Bier bleibt es nicht. Ein ganz großes davon bekommt Dietrich. Er war heute unser „Besen“. Schon auf normalen Etappen gehört etwas dazu, den ganzen Tag „hinten“ aufzupassen“, bei Alpenetappen ist das schon eine Meisterleistung – wenn das Besentrikot nicht schon gelb wäre, ab heute wäre es golden.

Sonntag, 29. Mai 2011

Tag 4 - Der Stephan, das Knie und die Angst vor dem kommenden Tag

Manchmal beginnen Geschichten schon am Tag zuvor. Das Abendessen in der Buchbacher „Post“ hätte für zwei Abende ausgereicht – und sogar Dietrich („Ich will Fleisch“) war mehr als zufrieden. Für Radler ist dieses Haus (und besonders das Abendessen) in jedem Falle eine Rast wert. Noch lange erzählen dürften auch drei Rennradfahrer aus der Gegend von ihrem Erlebnis der besonderen Art, nämlich ihrem „Rennen“ mit und gegen drei von unseren Euroradlern (natürlich mit Gepäck). Als nach wenigen Minuten einer nach dem anderen Rennradler das Tempo nicht mehr halten konnte, fragte er ganz bescheiden, wie man das nenne, was wir tun? „Reiseradeln“ war die spontane Antwort von Jörg, der die drei damit wohl in eine kleine Krise gestürzt haben dürfte. Jörg ist nun schon seit 125 Kilometern nicht mehr dabei. Er mußte zurück. Beinahe hätten wir auch den Stephan (schon wieder) verloren. Als „Besen“ war er von der Kirche in Stefanskirchen (mit „f“) ganz angetan. Eine kurze Fotopause – und wir waren weg. Dank Handy trafen wir uns in Kraiburg wieder und dann ging es recht zügig in Richtung Österreich. Wenn unterwegs nicht zwei Pfosten gestanden hätten, und ein Inlinefahrer, und …… wäre alles noch ein paar Minuten schneller gegangen. Auch wenn die Satteltaschen nicht gewesen wären – aber das ist eine andere Geschichte, die (noch) nicht beschrieben werden darf. Dafür gibt es dazu nur ein kleines Bild. Fazit dieser Andeutungen: wir sind alle fit und freuen uns auf die Tauern. Na ja, nicht alle von uns. Die Gedanken kreisen schon in so manchen Köpfen, ob das mit den vielen Höhenmetern auch klappt. Aber auch darüber am Montag mehr. Österreich empfing uns mit strahlendem Wetter, Rudi übernahm ihn Hallein die traditionelle Kaffeerast (vielen Dank) und in Kuchl wurden wir vom Männergesangverein beim Straßenfest empfangen. Ein kleines Weizen mit dem Dirigenten, der vor 25 Jahren aus Nierstein hierher kam. So klein ist Europa.