Samstag, 6. Juni 2009

Herzlichen Glückwunsch, Thomas !




















Wer treibt so manchen Radler-Opa
zu fernen Zielen in Europa
und hält den Fahrplan immer ein?
Das kann doch nur der Thomas sein!

Wer war im Osten, Westen, Süden
und ist noch immer nicht zufrieden?
Wem fällt stets noch was Neues ein?
Das kann doch nur der Thomas sein!

Wer will auf Römerstraßen fahren,
selbst da, wo niemals Römer waren,
und holpert über Stock und Stein?
Das kann doch nur der Thomas sein !

Wer kann uns immer motivieren,
auch wenn wir hungern oder frieren?
Wer bringt sogar nach Finnland Wein?
Das kann doch nur der Thomas sein!

Die Tour hinauf zum Nordkap war
nicht seine letzte Schandtat.
Er wird - man mache sich das klar -
demnächst vielleicht noch Landrat !

Als neuer Fürst vom Gerer Land
beherrscht er ein Gebiet,
das reicht, wie allgemein bekannt,
vom Main bis tief ins Ried.

Was wird er wohl als erstes tun?
Ich hab' da so ´ne Ahnung:
Er lässt die heißen Eisen ruhn,
macht erst mal Radwegplanung.

Das Dienstfahrzeug wird abgeschafft,
da wird schon mal gespart.
Er macht, damit er nicht erschlafft,
Dienstfahrten mit dem Rad.

Und doch, die Radler fragen sich,
- ich will es nicht verhehlen - :
Ist es denn wirklich förderlich,
ihn in das Amt zu wählen?

Es steht dann, was er tut und treibt,
zwar täglich in der Zeitung.
Doch ob genügend Zeit ihm bleibt
zur Tourenvorbereitung?

Jetzt wollen wir nicht spekulieren -
noch ist er ja vernünftig -
und ihm stattdessen gratulieren,
denn heute wird er fünfzig !

Freitag, 5. Juni 2009

Tag 17 - Schneetreiben an der norwegischen Grenze

„Ah ist das schön“ – Jörg sprach freudig aus, was alle Euroradler dachten, als sie am Freitagabend das heiße Duschwasser auf ihrer Haut spürten. Zuvor hatten sie 145 Kilometer gegen eisigen Nordwind, Schneetreiben, Graupelschauer und Temperaturen um die 5° zu bestehen. „Thomas es schneit“ meinte Carmen schon kurz vor 7 Uhr – bei einem Blick aus dem Fenster. Dem ersten ungläubigen Staunen folgte ein inneres Schmunzeln, doch wenn ich die folgenden gut acht Stunden auf dem Sattel vorausgesehen hätte, wäre ein wenig Entsetzen die bessere Reaktion gewesen. 37 Kilometer bis zur norwegischen Grenze, immer leicht bergauf und dann war der Landeswechsel an der EU-Außengrenze äußerst unspektakulär. Sonst haben wir hier 10 ° mehr meinte der nette Grenzer. Er verzichtete auf einen Blick in unseren Bus und dann konnte es weiter gehen. 45 Kilometer bis Kautokeino. Eine heiße Rentiersuppe (an den Preisen merkten wir, dass wir in Norwegen sind) und weiter ging es (eigentlich immer am Fluss entlang) – aber die kleinen giftigen Steigungen hatten es in sich. Mehr als 60 Kilometer, ohne die Möglichkeit einen Kaffee zu trinken oder sich einmal aufzuwärmen, das setzte der Moral doch kräftig zu. Aber um 18 Uhr waren wir da. Die Ferienhäuser im Turistcenter sind zwar einfach – aber zweckmäßig. Und am Samstag geht es ja in aller Früh weiter.
P.S. Dietrich konnte den Freudenschrei von Jörg erst mit Zeitverzögerung ausstoßen – als er in den Duschraum kam, war das heiße Wasser schon kalt. Aber mit etwas Geduld löste sich auch dieses Problem.

Höhenmeter 665


Donnerstag, 4. Juni 2009

Tag 16 - Überleben in Lappland

Von Sirkka nach Entntekiö sind es genau 124,5 Kilometer. Die wollen aber, zumindest wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist gut überlegt sein. Nicht dass unterwegs das Wasser knapp werden könnte, auch bei hohen Temperaturen gibt es genügend Seen mit Trinkwasserqualität. Aber bei knapp sieben Stunden reiner Radelzeit muss an die Verpflegung gedacht werden. Das mit dem Frühstücksbuffet ist nicht jedermanns Sache. Geschäfte sind am frühen Morgen nicht zu finden und die erste Verpflegungsstation ist frühestens bei 57 Kilometern – eine Tankstelle. Also los. Unsere Busbesatzung meldet es schon vorab per Handy – dort bekommen höchstes vier Personen eine Mittagsmahlzeit. Was nun? Noch einmal freundlich nachfragen und schon werden binnen Minuten eine kräftige Suppe, Salat, Fisch, Rentier, Kartoffen, Pfannkuchen und Brot auf den Tisch gezaubert. Einen Kaffee gibt es hinterher und so gestärkt kann es weiter gehen. Weiter gegen den Wind. Nachdem wir am Vormittag 30 Kilometer Schotterpiste gefahren sind, freuen wir uns jetzt wieder über Asphalt. Dafür aber „Wellpappe“ und eisiger Wind. Das Thermometer zeigt 6°, gefühlt ist es aber kälter. Und auf der Strecke bis zum Hotel liegt nur ein kleiner Laden. Der hat zwar Eis und Kaltgetränke, aber die Lust darauf hält sich bei schneebedeckten Bergen in Grenzen. Ein freundliches Wort, kombiniert mit einem etwas erfrorenen Gesichtsausdruck und schon zaubert uns die nette Besitzerin zwei Kannen Kaffee. Mit Kuchen aus dem Geschäft, einem Beutel Milch und drei Papptellern ist im Handumdrehen die Kaffeetafel gedeckt. So gestärkt schaffen wir die letzten Kilometer – diesmal mit dem Wind – und wärmen uns am letzten Tag in Finnland in der Sauna, bevor das Abendessen lockt.
Jetzt heißt es - nach zehn Tagen auf Finnlands Straßen -Abschied nehmen. Am frühen Freitag geht es über die Grenze nach Norwegen. Über 2.000 Kilometer sind wir schon geradelt. 700 in Deutschland, 1.300 in Finnland und jetzt kommen noch einmal 500 in Norwegen dazu.

Höhenmeter 475


Mittwoch, 3. Juni 2009

Tag 15 - Rentiere, (Eis)regen und ein künstlerisches Feuer

Erika, Marga, Carmen, Nico und Klaus-Jürgen sind da. Pünktlich gelandet um 21.37 (gestern) haben sie mit uns bereits das erste finnische Abendessen (so ab 23 Uhr bis zum Tageswechsel) genossen. Dazu ein Glas französischen Bordeaux und schon waren die „Neuen“ in unsere Großfamilie integriert. Das Frühstück in Marrakoski hielt alles was es versprach – natürlich vom finnischen Haferbrei, über frischen Fisch bis hin zu Gemüse, Obst, Käse und Wurst. Müsli und Säfte durften nicht fehlen und als Krönung präsentierte man uns selbst gebackenen Kuchen. Dann ging es los. Nico und Klaus-Jürgen rollten mit und die finnische Einsamkeit wurde nur durch das ein oder andere – den Weg kreuzende – Rentier unterbrochen. Mittagsrast – Zeit für den „Ausstieg“. Klaus-Jürgen verstaute sein Fahrrad im Anhänger und suchte den warmen Platz in unserem „Arena. So manchen Radler dürfte eine Stunde später an ihn gedacht haben: schnell zog sich der Himmel zu. Dunkle Wolken öffneten sich und schon ging es los. Binnen Minuten waren wir nass. Immer stärker werdender Regen (war nicht auch Eis dabei?) behinderte uns stark. Kalter Wind kam hinzu. Wer keine wärmenden Handschuhe anhatte bekam Probleme mit dem Bremsen und Schalten. Was tun? Harald schlug vor die Hände abwechselnd unter den Achseln zu wärmen.Das half ein wenig. Dann aber die Erlösung: ein Schild mit einer Kaffeetasse. Wir bogen nach links ab und wollten schon wieder wenden und weiter fahren. Doch dann sahen wir ein Jahrhunderte altes Holzhaus. Drinnen eine Feuerstelle (ohne Feuer) und fellbespannte Bänke. Jetzt kam die Besitzerin – sah unsere Lage und bat ihren marokkanischen Freund, Feuer zu machen. Binnen Minuten knisterten die Holzscheite, das Teewasser kochte und wir konnten uns wärmen. Jetzt war auch für mich die Zeit gekommen, mein Unterfangen – mit Sandalen – (aber ohne Radsocken) bis zum Nordkap zu fahren, aufzugeben. Adi steuerte ein paar warme Handschuhe bei und so machten wir uns auf die letzten 40 Tageskilometer in den hohen Norden Finnlands.

Höhenmeter 470

Dienstag, 2. Juni 2009

Tag 14 - Abschied von Willi und Peter - Lappland wartet

Wann ein neuer Tag beginnt und wann der alte endet lässt sich eigentlich ganz einfach bestimmen. Mit der Nacht endet der Tag – oder pünktlich um 0 Uhr schreiben wir ein neues Datum. Das gilt natürlich auch in Finnland. Nur – mit der Nacht, die den Tag beschließt wird es von Tag zu Tag schwieriger – sie kommt einfach nicht. So auch heute (oder gestern). Nach dem Abendessen (gegen 22 Uhr) hieß es warten auf Gerhard, Bernd und Harald, die mit dem Bus und dem Anhänger von der Werkstatt zurück kamen. Sie kamen – kurz vor 1 Uhr – es war noch hell, sie freuten sich auf ihr Abendessen (und ein Bier), aber eigentlich war es ja schon einen Tag später, also Zeit sich auf das Frühstück vorzubereiten oder zumindest zu schlafen. Aber irgendwie scheint auch das Schlafbedürfnis in Finnland nicht so ausgeprägt zu sein (zumindest im Sommer). Kurzum: um 7 Uhr – Abendessen um 1 Uhr hin oder her – trafen wir uns wieder zum Frühstück. Und dann ging es wieder los. Die letzten 85 Kilometer mit Willi und Peter, die sich in Rovaniemi verabschiedeten und per Flugzeug zurück nach Deutschland fliegen. Mit einer „letzten Pizza“ sagten sie „Tschüs“. Lange werden wir aber nicht in der kleinen Gruppe fahren. Nico und Klaus-Jürgen kommen heute Nacht (die ja keine ist) hinzu und auch Carmen, Marga und Erika sind ab Mittwoch dabei und begleiten Gerhard im Bus Richtung Nordkap. Wir haben heute den nördlichen Polarkreis überschritten – oder besser überfahren – ohne dass wir es bemerkten. Es gab kein Schild, keine Markierung – nur einen kleinen Regenschauer, der uns nach dem „Pizzaabschied“ erwischte. Untergebracht sind wir in typischen finnischen Ferienhäusern in Koskimökit, natürlich mit Sauna und einer Waschmaschine, so dass wir am Mittwoch wieder in „dunkelblau“ nach Norden rollen können.

Höhenmeter: 375


Zwischenbilanz - Teil 2

Helsinki liegt schon im Rücken,
und es fängt zu regnen an,
als der Willi voll Entzücken
einen Platten melden kann.

Und bei Jean Sibelius´ Häuschen
wartet man aus Pietät,
dankbar für das kleine Päuschen,
bis es endlich weiter geht.

Auch der Straßenbau macht Freude,
schickt uns auf ´ne Schotterbahn,
und so kommt man leider heute
spät erst bei den Hütten an.

Finnlands Seen, Finnlands Wälder:
Einsamkeit, so weit man schaut.
Ab und zu noch ein paar Felder,
außer Vögeln kaum ein Laut.

Stundenlang fährt man alleine,
ringsherum ist nur Natur.
Ständig Arbeit für die Beine,
und die Seele baumelt nur.

Elche lassen sich nicht blicken,
sind von Radlern wohl verschreckt.
Auch die sonst so schlimmen Mücken
hat noch niemand aufgeweckt.

Finnland-Fahrer, lasst euch raten:
Nehmt euch reichlich Vorrat mit.
Bis zum nächsten Einkaufsladen
ist´s ein halber Tagesritt.

Fahles Licht in kurzen Nächten,
wo man nicht ans Schlafen denkt.
Doch was hilft´s ? Uns armen Knechten
wird auch morgen nichts geschenkt.

Hundertneunzig Kilometer,
noch dazu bei Gegenwind -
etwas Bammel hat da jeder.
Ob wir dem gewachsen sind?

Doch das Team macht alles richtig:
Starke Schultern führen an,
und dahinter - das ist wichtig -
folgen alle Mann an Mann.

Und nachdem man das geschafft hat,
sind die Zweifel weggeweht,
weil man glaubt, dass man die Kraft hat,
selbst wenn´s ewig weiter geht.

Montag, 1. Juni 2009

Tag 13 - Finnische Gastfreundschaft und (fast) 200 Kilometer

Noch waren 40 Kilometer bis zu unserem Ziel in Lappland zu fahren. Über 150 Kilometer hatten wir an diesem Tag schon in den Beinen, nachdem wir früh um 7.30 Uhr aufgebrochen waren. Wir – ohne Bernd und Gerhard – die sich um den Anhänger verdient machten. Es war hügelig, wie sollte es auch anders sein. Und wir hatten Gegenwind, wie sollte es auch anders sein. Aber wir kamen gut voran. Zur Mittagsrast zeigte unser Tacho schon 105 Kilometer, aber 90 standen noch vor uns. Jetzt aber war erst einmal Organisation gefragt. Bernd bekam die Information, dass unser Anhänger am Abend wieder abgeholt werden konnte. Aus Helsinki war ein Ersatzteil eingeflogen worden. Also machte er sich mit Gerhard auf den Weg. Sie bekamen einen dritten Mitfahrer. Nachdem Harald eine Begegnung mit einem „Wolf“ hatte (aber keinem aus dem Wald) tauschte er den Radsattel lieber gegen einen Sitzplatz im Bus. Wir radelten weiter, kamen Lappland immer näher –und dann kam der ominöse Kilometer 155. Uns kam auf einem Rennrad ein Finne entgegen. Wir begrüßten uns freundlich. Dann wechselte er die Fahrtrichtung, rollte mit uns und wollte uns mit ein paar englischen Begriffen klar machen, dass er uns zu sich nach Hause – zu Kaffee und Tee – einladen wolle. Als wir nicht gleich reagierten, nahm er sein Handy, wählte eine Nummer und gab es mir. Am anderen Ende der Leitung war seine Tochter, die mir in bester deutscher Sprache den Wunsch ihres Vaters übermittelte. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: sie war in Österreich – und ihrem Vater war die Einladung so wichtig, dass er diesen Vermittlungsweg wählte. Wir nahmen natürlich an. Risto und seine Frau freuten sich sehr. Kaffee, Tee, Kuchen – Brot, Wurst, Käse, Plätzchen, Saft – alles war da. Sogar ein Klavier (im Schlafzimmer) und Jochen musste natürlich eine Einlage geben. Herzlich wurden wir verabschiedet. Die letzten 30 Kilometer verflogen einfach nur so. Was aber auch an Stefan, Jörg und Joachim („Joschi“) lag. Sie kämpften heute über 100 Kilometer gegen den Wind und haben sich so den Dank der ganzen Gruppe verdient. Was war sonst noch? Die ersten Rentiere haben wir gesehen und gegen Mitternacht erwarten wir unsere Busbesatzung mit Anhänger wieder im Hotel.

Höhenmeter 960